Selbstbewusst war ich noch nie. Ich war immer ein kleines, schüchternes Mädchen, das sich nichts mehr gewünscht hat als beliebt zu ...

Im Kindergarten und der Grundschule hielt sich alles noch in Grenzen. Ich war zwar nicht sonderlich beliebt, aber ich hatte ein paar Freunde und meine alleralleraller...beste Freundin. Wir beide haben immer den größten Mist zusammen gemacht, haben gelacht und hatten einfach eine wundervolle Zeit.

Manchmal sagte man mir "Du bist hässlich!" Aber das störte mich nicht. Naja, zumindest so, dass ich mir nie länger darüber Gedanken gemacht habe. Ich hatte ja meine beste Freundin, die mich so nahm wie ich war. Dann kamen wir auf die andere Schule.. und der Schrecken fing an..

Schnell hatten meine Mitschüler raus, dass ich kein Selbstbewusstsein hatte, dass man mit mir alles machen konnte.
Ich wurde jeden Tag richtig heftig gemobbt. "Du bist so hässlich!" "Pferdefresse!" "Zieh mal ne Tüte über deinen hässlichen Schädel, das kann sich ja keiner ansehen!" Und das war noch das harmloseste von allen. Ich habe mich nicht gewehrt, habe alles über mich ergehen lassen: Die Schläge, die Demütigung und den Schmerz!!
Doch irgendwann sagte man mir "Du bist zwar so ekelhaft hässlich, aber mein Gott, Du hast eine richtig geile Figur!" Und das war für mich ein Kompliment. Noch nie zuvor hat sich jemand positiv über mein Aussehen geäußert, auch wenn es nur mein Körper war. Von da an beschloss ich diesen "geilen Körper" zu behalten und zur Schau zu stellen.

 

 

Ich lag tagelang heulend im Bett und habe mich gefragt, was ich nur falsch gemacht habe. Und dann viel es mir wie Schuppen von den Augen: Ich war fett!! Nur daran muss es gelegen haben..

 

Also beschloss ich abzunehme und hatte eine neue Freundin: Ana! Ana war für mich da und hat mir geholfen immer dünner zu werden. Wenn ich schwach werden wollte, dann hat sie mich zurecht gewiesen und so ging ich meinen Weg mit Ana..   Ich wurde dünner. Zum ersten Mal in meinem Leben fand ich mich selber hübsch und hab anfangs auch Komplimente bekommen. Hinterher nicht merh so, aber da war mir egal "Dritte Welt-Kind" haben sie mich genannt. Aber ich dachte mir "Das ist nur der Neid!". Ich sah nicht aus wie ein "3. Welt Kind", nein, ich sah gut aus!!

 Ich erkannte einfach nicht, dass ich mich da in etwas verrannte, das mir geschadet hat. Tief im Innersten wusste ich es doch, aber ich habe es verdrängt, weil ich mir eingeredet habe, dass wenn ich erstmal die richtig perfekte Figur habe, ich wieder Freunde haben werde und auch wieder normal essen kann.

 

Dann dann passierte es: Ich bekam einen Fa und viel schlimmer noch: Es gefiel mir

 

Durch meine beschissene Disziplinlosigkeit verlor ich meine "Begleiterin Ana" und ich bekam eine neue Freundin. Wie soll ich sie nennen? Mia? Nein, Mia war es nicht... Nennen wir sie Inga (Betroffene wissen, was ich meine). Inga hatte mich mit falschen und leeren Versprechungen in ihren Bann gezogen. Sie hat Süßholz geraspelt und in einem kleinen Moment der Schwäche, habe ich ihr vertraut und nachgegeben... Ich wusste nicht, dass sie ein falsches Spiel trieb. Ich wusste nicht, dass sie in Wirklichkeit meine Feindin war. Ich war blind, dumm und naiv! Ich habe ihr blind vertraut, dabei wollte sie nur eins: Mich zerstören!! Sie war noch hinterhältiger als Ana, denn sie konnte mich demütigen, fertig machen und mich immer dicker machen. Sie hat es geschafft, mir alles zu nehmen. Meine gute Figur war zu diesem Zeitpunkt ja das einzige, was ich noch hatte und mir Halt gab.
Ich sehnte mich sogar nach der Zeit mit meiner angeblichen Freundin Ana zurück. Lächerlich - ja, das stimmt, aber ich wollte einfach nicht glauben, dass der Traum der Perfektion ein Spiel mit dem Tod ist. Denn nur mit Ana fühle ich mich lebendig, nicht mehr wertlos und stark!! Die Vorteile waren einfach präsenter als die Nachteile. Ich hatte mich mit dem Haarausfall arrangiert. Das Ausbleiben meiner Periode war mir egal, ich sah es eher als Vorteil an. Sogar an den quälenden und nagenden Hunger konnte ich mich halbwegs gewöhnen. D Ich hasste ihn, das war klar, aber ich konnte ihn meisten ignorieren.as meine Blase nicht mehr richtig funktionierte, war mir egal, ich hatte schon meine Tricks entwickelt.. Ich sah in den Nachteilen einfach keine richtigen Nachteile, waren die Vorteile doch so schön..

 

Ich hörte nachts meine Mutter weinen, aber es störte mich nicht mehr. Ich sah die verachtenden Blicke doch es lies mich kalt. Ich sah die mitleidigen Augen , aber ich ignorierte sie. Denn niemand sagte etwas.. alle sahen wie sehr ich litt, alle sahen, dass ich mit mir und meinem Leben abgeschlossen habe und das mit 18! Ich entwickelte Hassgefühle gegen meine Familie, die bis heute noch in mir schlummern, und wollte einfach nur noch meine Ruhe haben. Ich ertrug ihre Anwesenheit einfach nicht mehr, denn sie waren ja nur halbherzig da. Keinen interessierte es wirklich, wie es mir geht, immer nur diese Blicke.. diese elenden Blicke.

 

Ich will dünn sein! Koste es, was es wolle!